Über mich und das Projekt
Der Weg des geringsten Widerstandes…
... ist ein ca. 650 Kilometer langer Fußmarsch von meiner Haustür am Rolshover Kirchweg 82 in Köln quer durchs Land, über Berg und Tal, Stock und Stein zu Mann und Maus bis in den Reichstag nach Berlin mit einem geschulterten Straßennamenschild mit der Aufschrift „Weg des geringsten Widerstandes“. Während des etwa 4-wöchigen Fußmarsches im September 2021 in Anzug, Krawatte und Lackschuhen, mit dem Rohrpfosten und installiertem Schriftzug auf der Schulter wird auf dem „Weg des geringsten Widerstandes“ der Frage nachgegangen, ob und warum der Mensch einen leichten, bequemen und möglichst geraden Lebensweg einem unbequemen, umständlichen und komplizierten Lebensweg vorzieht? … Dieser Weg des vielleicht größten Widerstandes samt abschließendem „Besuch des Reichstages“ endet mit der Konfrontation der politischen Elite mit dieser lebenswichtigen Fragestellung exakt am Tag der Bundestagswahl am 26. September 2021 … Die Darstellung der Frage, ob ein gradliniger, schnörkel- wie um- und auswegloser Karriere-, Bildungs- und Lebensweg auch wirklich der Richtige ist, kann über die Internetseite http://www.wegdesgeringstenwiderstandes.de in Form von täglichen Berichten und Wasserstandsmeldungen aus den Schuhen des Wanderers mitverfolgt werden. Neben allen Stationen dieses „Kreuzweges“ zeigt die tägliche Dokumentation dieser Tortour die exemplarischen, allegorischen wie bestimmt unbequemen Schritte dieses Weges mit all seinen Abzweigungen, Umleitungen, Sackgassen und Absperrungen, Irrungen wie Wirrungen, unsagbaren Mühen mit unerklärlichen Begegnungen, allen Hilfestellungen der Bevölkerung samt Gesprächen über Lebensmut, -glück und -müdigkeit wie Kommentaren in Reisetagebuchform mit Text und Bild. Diese humorvolle Infragestellung von Bequemlichkeit und den Schattenseiten dieses bestimmt freud- wie leidvollen Marsches quer durch die Republik ins Parlament zum Dialog mit der politischen Elite samt Schenkungen und Unterstützungsleistungen von Übernachtungsmöglichkeiten, Lunchpaketen und Lackschuhspenden in der Größe 44 für das formvollendete Erscheinungsbild des Akteurs dieser Langzeitperformance und -studie finden im Internettagebuch Erwähnung, genau wie alle angenehmen Begleiterscheinungen und unliebsamen Begegnungen auf dem langen Weg vom Westen des Landes durch Westfalen und Niedersachsen durch den Osten nach Sachsen, durch Brandenburg bis nach Berlin. Wer mithilft, diesen charmanten „Schildbürgerstreich“ als Version historischer Ablasswanderungen, traditioneller Protestmärsche und zeitgemäß bewegter Verbindung mit Mutter Natur Wirklichkeit werden zu lassen oder zu begleiten, soll nach Vollendung des Projektes zum Dank eine handsignierte Grafik des „Wegs des geringsten Widerstandes“ überreicht bekommen, deren Auflage exakt der Summe der Unterstützenden entspricht.
Route
01.09.21 Köln - Bechem
02.09.21 Bechem - Dhünn
03.09.21 Dhünn - Kreuzberg (Westfalen)
04.09.21 Kreuzberg - Neuenrade
05.09.21 Neuenrade - Meschede
06.09.21 Meschede - Brilon
07.09.21 Brilon - Marsberg
08.09.21 Marsberg - Warburg
09.09.21 Warburg - Hofgeismar
10.09.21 Hofgeismar - Oedelsheim
11.09.21 Oedelsheim -Hardegsen
12.09.21 Hardegsen -Oldershausen
13.09.21 Oldershausen - Langelsheim
14.09.21 Langelsheim - Goslar
15.09.21 Goslar - Dingelstedt
16.09.21 Dingelstedt - Oschersleben
17.09.21 Oschersleben - Magdeburg
18.09.21 Magdeburg -Burg
19.09.21 Burg -Elbe-Parey
20.09.21 Genthin Genthin
21.09.21 Genthin - Plaue
22.09.21 Plaue - Brandenburg an der Havel
23.09.21 Brandenburg an der Havel - Kretzin
24.09.21 Kretzin - Spandau
25.09.21 Spandau - Berlin
26.09.21 auf dem Platz der Republik, Berlin
Frank Bölter
Frank Bölters Aktionen verbinden unterschiedlichste Öffentlichkeiten in gemeinschaftliche, oft wahnwitzige wie waghalsige Schaffensprozesse und Dialoge mit offenem Ausgang. Der Fokus liegt auf dem Prozesshaften, seine alles und jeden integrierende Grundhaltung verleiht seinen Projekten eine politische Note, bisweilen Brisanz. Lebensgroße Papp-Panzer, gefaltet von Soldaten der Bundeswehr und Kriegsflüchtlingen; gemeinschaftlich gefaltete und anschließend von Ukrainern und Russen bewohnte Einfamilientraumhäuser aus Papier oder andere fragile Vehikel, verweisen zwar auf Möglichkeiten, wie z.B. abenteuerliche Reisen, die zwischen Reiselust und Zerbrechlichkeit changieren. Sie stehen aber nicht im Vordergr und , sondern sind lediglich Mittel, gemeinschaftsbildende Integrationsprozesse einzuleiten und individuelle Spezialisierungen im Kontext der jeweiligen Gemeinschaft zu erkennen. Die dabei ausgelösten dynamischen Prozesse stehen im Vordergrund und bilden die Form. Das Erleben und Teilen eines nicht wiederholbaren und gemeinschaftlichen Erfahrungs- und Schaffensprozesses wird je nach Einsatzwillen, Erfahrung und Miterleben in die individuelle Erinnerung überführt. Entstehungs- und Verwitterungsprozesse stehen sich dabei oft gleichwertig gegenüber. Entwickelt sich innerhalb der gruppendynamischen Prozessen die Absicht oder die Notwendigkeit, die temporären Erfahrungsprozesse in die Permanenz zu überführen, wird diesen Prozessen Transparenz verliehen, die damit im Dialog mit „fertigen“ Denkmälern, Skulpturen und Plastiken im öffentlichen Raum verbleiben, um die Welt um Bilder des sympathischen Scheiterns zu bereichern. Das entstandene Werk erzählt nach Fertigstellung von den stattgefundenen Ereignissen innerhalb der gemeinschaftlichen Erstellung und ist aufgeladen mit anekdotischen, humoristischen wie krisenhaften und fragilen Momenten.
