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31. August

Mama ruft an

Mama ruft an

8.27 Uhr Das Telefon klingelt. Meine Mutter ist am Apparat und fragt, ob ich Ihr nicht etwas zu sagen hätte? Ich frage leicht irritiert, auf was sie anspielen würde? Etwa das gerade abgeschlossene Projekt in Ahlen, bei dem ca. 80 Schüler ihr eigenes Rathaus gebaut hätten, in dem die Ahlener Bürger mit Waffeln und Kaffee versorgt sowie mit einem Menschenausweis beglückt wurden, den gerade abgeschlossenen strapaziösen Umzug oder die bevorstehende 600 Km lange Wanderung mit einem Straßenschild? „Die Wanderung natürlich!”, platzt es aus ihr heraus: “Was machst Du denn da schon wieder für Blödsinn, Du schadest Dir doch wieder nur selbst. Wie oft muss ich Dir das noch sagen. Muss das denn wirklich sein?“, fragt sie offenbar von den Schilderungen ihres Enkels T. überrascht, der ihr in der Zwischenzeit vor Augen geführt haben muss, was ihr Sohn da vorhat. Ich kann gerade noch einfügen, dass ich Ihr, Sie auf meine Abwesenheit vorbereitend, mehrfach von diesem Vorhaben berichtet hätte, als sie warnend fortfährt, dass die Entfernung doch viel zu weit für mich sei und die Belastung dieses „Kreuzweges“ doch viel zu groß wäre. „Warum musst ausgerechnet Du sowas machen? Du musst auch mal an Deinen Sohn denken, und auch an mich. Ich bin schließlich Deine Mutter.“ Ich erwidere, dass ich zumindest für die soeben von ihr aufgezählten diesen „Kreuzweg“ auf mich nehmen würde und mich zwar selbst auch fragen würde, ob ich das hinbekomme, jedoch hätten bereits so viele Leute Unterstützung in verschiedenster Form angeboten, dass ich nun keine Wahl mehr hätte. Außerdem hätte Jesus ja keine Wahl gehabt und er hätte auch nicht gewusst, ob er seinen Kreuzweg schaffe. Er hätte schließlich dann ja auch Unterstützung bekommen … All das konnte meine liebe Mama jedoch nicht beruhigen. Eher im Gegenteil. Als wir uns wieder beruhigt haben, bemerken wir unsere Verbundenheit trotz Meinungsverschiedenheiten über Notwendiges und Überflüssiges in unserer Welt. Ich ziehe meinen Hut vor ihr, dass sie mir trotzdem alles Gute, wundervolle Begegnungen und schöne Erlebnisse verbunden mit der Hoffnung wünscht, heil anzukommen. Wir haben uns am Telefon umarmt und gesagt, dass uns in Wirklichkeit auch keine 600 Km trennen können.